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Balken Samstag, 18. Juni 2016

Flugtag 3: Schau(e)rig, feucht, tief - und spannend

Das sind die Rahmenbedingungen für den dritten GliderCup-Flugtag 2016, die Wolkenverteilung
Die erwartete, potenzielle Flugdistanz
Die Thermik/Basishöhen-Verteilung
und die (labile) Sonde von Payerne
Patrick Gabler organisiert als Flugdienstleiter den Startbetrieb
und Beatrice Echter erobert vom Boden aus die Lufthoheit über ihre erfolgreichen Kunstflieger
... so sah es dann unterwegs aus. Feucht.
Und am Ende des Fluges galt es, gezielt zwischen zwei Schauern zu landen, um trockenen Fusses einhangarieren zu können.
Gemütlicher Ausklang am Stammtisch der Flugplatzbeiz mit erhöhtem Cigarren-Konsum.

GliderCup 4/2016 von Samstag, 18. Juni 2016

Dass am Samstag, den 18. Juni 2016 das Umrunden der GliderCup-Aufgabe Nr. 13 (Rieden-Bachtel-Bettwil-Rieden) von ca. 120 km möglich ist, hat ausser dem Tages-OK-Chef Urs Isler niemand ernsthaft glauben wollen. Trotz der feuchten Wetterbedingungen mit eingebauter Schauertätigkeit, Abdeckungen und entsprechend geringen Operationshöhen machen sich 14 Teilnehmer frühzeitig auf den Weg – für alle, die das wünschten, kann ein Doppelsitzer-Platz angeboten werden. Eine Crew kann die Aufgabe unter Ausnutzung der wenigen Sonnenflecken, aufsteigender Luftmassen direkt vor den Schauern, einem tiefen Rundflug über Lindenberg, Reusstal, Albis und am Ende den Zürichsee vollenden. Je eine Aussenlandung erfolgt auf dem Flugplatz Buttwil, auf dem Flugplatz in Hausen und auf dem Flugplatz Lachen – einer der Gründe für die Wahl dieser Aufgabe ist die geografisch praktische Verteilung dieser sicheren Landemöglichkeiten entlang der Flugroute.

Hit and run
Gemäss der bewährten kanadischen Eishockey-Strategie 'hit and run' starten Andi und ich mit einem hohen Schlepp über 2'000 M.ü.M., durchfliegen gleich den Abflugkreis und setzen unseren Höhenvorrat für die Überwindung der ersten Kilometer in Richtung Pfannenstiel um. Dummerweise chochet die Luft über dem Zürcher Oberland schon recht breitflächig, wir müssen unsere Höhe gleich wieder wegdrücken, um den Wendezylinder über dem Bachtel überhaupt zu finden und auch treffen. Der Voralpengipfel ist ziemlich dicht mit Wolken zugepackt es führt kein Weg am Tauchen unter die feuchte Masse vorbei. Ein erster Aufwind vor der Zürichseequerung gibt uns etwas Gefühl, was für Aufwinde man erwarten kann, wenn denn die Sonne überhaupt einmal an den Boden scheint. Bis auf die Drehrichtung sind wir uns rasch einig – wenn Aufwinde entstehen, sind sie recht zuverlässig und mit runden zwei Metern/Sekunde auch ausreichend stark.

Mit unserem frisch gestärkten Höhenpolster machen wir uns in unserem Luxusvogel auf den Weg ans andere Zürichsee-Ufer. Über dem südlichsten Alibs-Ausläufer stehen ein paar 'amächeligi' Wolkengebilde. Da zirkelt uns jetzt Andi drunter und wir können erneut ein paar Höhenmeter aufbauen, begleitet von einem Schulflugzeug aus Hausen und Thomas Stemmler, der mit Beat Landert im anderen Arcus T aus Schänis am Thürlersee versucht, Höhe zu gewinnen. Sie sind etwas früher gestartet und haben sich offenbar ebenfalls für einen sofortigen Abflug entschieden.

Schauer über Luzern
Schon während des Hochdrehens fällt uns auf, dass über Luzern bis in die Region Emmen starke Schauer niedergehen. Alles ist da grau und schwarz. Aber vor (östlich) dieser Schauer bilden sich auch gut sichtbare Kondensen, die auch eine gewisse Lebensdauer aufweisen, bevor die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass sie ebenfalls ausregnen. Der nördlichere Teil des Reusstales in Richtung unseres Wendepunktes liegt im im Schatten, die Luft ist da zwar trockener – aber auch komplett frei von irgendwelchen Aufwind-Anzeichen. Weil da der kontrollierte Luftraum auf 1'300 Metern beginnt, entscheiden wir uns für einen Flugweg entlang der Schauertätigkeit ans Südende des Lindenberges.

Wie die Zugvögel
Wie häufig, zeigen uns gute Thermikflieger wie hier zum Beispiel Schwalben den Weg zu den wichtigen Aufwindquellen. Es ist kaum zu glauben, unter einer grauschwarzen, weit ausladenden Wolke mit heftigen Schauern am Westende können wir problemlos mit mehr als einem Meter pro Sekunde bis auf 1'600 M.ü.M. hinauf klettern – 'mit einer Fläche im Regen' sozusagen. Rund um uns herum liegt die Wolkenbasis teilweise tiefer, nach Norden können wir aber prima in die trockenere Luft wegfliegen und dem Kamm des Lindenberges bis zum Wendepunkt folgen. Dort existieren über längere Zeit über der sonnigeren Region um die frühere Bloodhound-Raketenstation ein paar kleine, immer wieder zerfallende und nach Osten wegdriftende Kondensfetzen.

Weit und breit kein Aufwind zu finden
Den Flugplatz Buttwil im Gleitbereich, arbeiten wir uns hier mühselig bis auf maximal 1'300 M.ü.M. hinauf und überlegen ausführlich unsere Möglichkeiten für den Heimweg. Schon elend flach, dieses Flachland... Das Positive an diesen geringen Operationshöhen ist die fliegerische Freiheit, die man da geniesst. Kein kontrollierter Luftraum belästigt die Routenwahl... Man kann sich also ohne Ablenkung nur auf die Bodennavigation konzentrieren.

Neu: jetzt ist auch noch der Zürichsee aufwindig.
Dann erwartet uns der spannendste Teil des Fluges. Über dem Reusstal können wir weder Anzeichen von Aufwinden noch irgendeinen vernünftigen Aufwind finden. Der Rückflug auf derselben Route, auf der wir kamen, ist von Schauern eingedeckt. Geht also nicht. So mogeln wir uns, ohne einen richtigen Kreis zu drehen, wie ein Betrunkener in heftigen Schlangenlinien und in einem Höhenband von 1'300 bis hinunter auf 1'100 M.ü.M. durch die schwachen, nicht nutzbaren Ufwind-Blatterä bis knapp über den Albis. Bis dahin ist Hausen noch immer in Reichweite, allerdings sind wir jetzt wirklich grottenschlecht tief unterwegs.

Über dem westlichen Zürichsee-Ufer beobachten wir schon längere Zeit eine satte Wolke – und Sonne am Boden, über dem See und auf der Ostseite eine intakte Wetteroptik, ohne Schauer, dafür mit schöner Einstrahlung und einer ebensolchen Wolkenstrasse in Richtung unseres Ziels. Wir riskieren es, vertrauen auf die heute gemachten Erfahrungen mit sonnenbeschienenen Flächen, lassen uns hinter dem Albis ins Westwind-Lee treiben und können – die eine Hand schon am Zündschalter für den Hilfsmotor – zusammen mit ein paar Möwen - die vermutlich gerade an einem Thermikflug-Weiterbildungskurs teilnehmen, einen runden, satten Aufwind zentrieren.

Er ermöglicht uns nach geduldigem Zentrieren, kräftigem Versatz nach Osten und einem harten Stück Arbeit, um hier mitten über dem Zürisee (!) bloss nicht aus dem Aufwind zu fallen, endlich den sicheren Anschluss an die zuverlässigen Aufwinde auf der Ostseite dieses bisher unbekannten Aufwind-Gewässers.

Das Zürcher Oberland trägt uns nach Hause.
Der Rest ist dann wieder ein entspannter Genuss. Die Arbeitshöhe ist wieder so, dass wir auf die Lufträume aufpassen müssen und die ständig neu aufbauenden und gleich wieder zerfliessenden Wolken immerhin so zügig, dass wir die meisten Aufwinde einfach durchfliegen und trotzdem immer ein wenig Höhe aufbauen können. Den Ziel-Zylinder über Rieden erreichen wir problemlos – danach geniessen wir noch ein Rundflügli bis nach Glarus, wo Andi die Vorzüge des Glarnerlandes (den Aufwind an der feucht-schattigen Nordwand des Vorderglärnischs) kennenlernt. Der ist zwar bestimmt nicht der schönste aller Berge, aber im Talwindsystem des Glarnerlandes ein richtiger Quersteher. Er liegt mitten im Tal breit genug im Wege, dass die Luft an ihm entlang aufströmen muss. Er hilft uns dabei, in aller Ruhe zu parkieren, den Regenradar auf dem Handy zu verfolgen und dann den richtigen Moment auszuwählen, um zwischen den grossflächig niedergehenden Schauern einen trockenen Abschnitt zu erwischen, in dem wir landen, den Flieger putzen und hangarieren können, ohne pflotschnass zu werden.

Insgesamt ein anstrengender, fordernder aber auch lehrreicher Flug. Auch wenn ich selber nicht wirklich geglaubt hätte, dass wir ohne Aussenlandung oder Motoreinsatz um diese Aufgabe herumkommen würden... Aber man lernt an solchen Tagen fast am meisten dazu, unter welch schlechten Bedingungen man noch immer segelfliegen kann. Das geht tatsächlich fast bei allen Bedingungen.

(Ernst Willi)


19.06.2016

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